Wenn Kinder wachsen, verändert sich ihr Körper ständig. Ein Wachstumsschub jagt den nächsten, und für Eltern ist es oft schwer einzuschätzen: Ist das noch der “Babyspeck” oder entwickelt sich hier ein gesundheitliches Problem?.

Der Body-Mass-Index ist ein hilfreiches Werkzeug, um Größe und Gewicht in Relation zu setzen und eine erste Orientierung zu geben. Doch bei Kindern funktioniert diese Messung anders als bei Erwachsenen. Hier erfahren Sie, wie Sie die Werte richtig deuten und wann ein Gespräch mit dem Kinderarzt sinnvoll ist.

Warum ist der BMI bei Kindern anders?

Bei Erwachsenen gelten starre Grenzen: Ab 25 beginnt das Übergewicht, ab 30 die Adipositas. Bei Kindern ist das komplizierter, da sich der natürliche Körperfettanteil je nach Alter, Geschlecht und Wachstumsphase stark unterscheidet.

Deshalb hören Sie beim Kinderarzt selten eine einfache Zahl. Stattdessen nutzen Experten sogenannte Perzentile (Wachstumskurven). Diese zeigen an, wo Ihr Kind im Vergleich zu anderen Kindern gleichen Alters und Geschlechts steht. Ein Mädchen im Alter von 5 Jahren hat beispielsweise eine ganz andere Körperzusammensetzung als ein Junge mit 12 Jahren.

Perzentile verstehen: Der Blick in das “Gelbe Heft”

Um das Gewicht einzuordnen, wird der BMI Ihres Kindes in eine Kurve eingetragen – in Deutschland finden Sie diese oft im gelben Untersuchungsheft.

Das Perzentil gibt an, wie viel Prozent der gleichaltrigen Kinder leichter sind. Ein Beispiel: Liegt ein 6-jähriger Junge auf dem 75. Perzentil, bedeutet das, dass er einen höheren Index hat als 75 % seiner Altersgenossen.

Die medizinische Einteilung lautet wie folgt:

  • Untergewicht: Unter dem 5. Perzentil.
  • Gesundes Gewicht: Zwischen dem 5. und 85. Perzentil.
  • Übergewicht: Zwischen dem 85. und 95. Perzentil.
  • Adipositas: Über dem 95. Perzentil.

Sprechen Sie aktiv mit dem Kinderarzt

Viele Eltern verlassen sich darauf, dass der Arzt das Thema Gewicht von selbst anspricht. Doch das ist nicht immer der Fall.

In einigen Ländern übernehmen Schulen das Messen und informieren die Eltern per Bericht. In Deutschland ist jedoch die Vorsorgeuntersuchung (U-Untersuchung) der richtige Ort dafür. Fragen Sie aktiv nach: “Wo steht mein Kind auf der Kurve?”. Es geht nicht darum, jemanden bloßzustellen, sondern gesundheitliche Risiken frühzeitig zu erkennen. Studien zeigen, dass informierte Eltern ihren Lebensstil oft positiv anpassen – zum Wohle des Kindes.

Grenzen der Messung: Muskeln oder Fett?

Obwohl die Methode ein guter Richtwert ist, ist sie nicht unfehlbar. Besonders bei sehr sportlichen Kindern kann das Ergebnis täuschen. Da Muskeln schwerer sind als Fett, kann ein kleines Sport-Talent laut Tabelle als übergewichtig gelten, obwohl es kerngesund und muskulös ist.

Der Index ist daher nur ein Teil des Puzzles. Eine vollständige Bewertung sollte immer auch die Ernährung, die körperliche Aktivität und das familiäre Umfeld einbeziehen.